Politische Polarisierung am Arbeitsplatz: Was kann HR tun?
Die politischen Auseinandersetzungen in unserer Gesellschaft nehmen an Intensität und Schärfe zu. So sorgen Sie dafür, dass das nicht in ihre Organisation durchschlägt. Ganze 95 Prozent der Personalverantwortlichen erleben politische Debatten im Betrieb, hat eine kürzlich veröffentlichte Studie festgestellt. Aber nur in jedem sechsten Fall belastet dies das Teamklima. Der Unterschied liegt nicht beim Thema, sondern beim Umgang damit. Eine Erhebung des IW Köln zeigt: 81 Prozent der Beschäftigten führen solche Gespräche zumindest gelegentlich. 57 Prozent sehen darin keinen Effekt auf das Teamklima, 27 Prozent sogar einen positiven. Nur 16 Prozent berichten von negativen Folgen. Entscheidend sind Art und Intensität der Debatte, nicht ihr Inhalt. Die Sozialpsychologie erklärt, warum die Luft dünner wird, sobald die Verunsicherung wächst. Arie Kruglanski nennt es das Bedürfnis nach einem Abschluss des Themas (cognitive closure): Wer Unsicherheit spürt, greift nach der ersten plausiblen Erklärung, denkt stärker in Stereotypen und erträgt abweichende Meinungen schlechter. Im Sozial- und Gesundheitswesen trifft das auf Teams, die von Vielfalt leben. Mitarbeitende mit Migrationsgeschichte beobachten ihr Umfeld in solchen Phasen besonders wachsam. Diese Aufmerksamkeit fehlt bei der Arbeit, messbar in Leistung, Absenzen und Kündigungen. Um das zu verhindern, klären Sie Gesprächsregeln, solange noch kein Konflikt im Raum steht, und verankern Sie Respekt im Leitbild. Politische Haltungen sind geschützt, rassistische Beleidigungen und Rufschädigung sind es nicht. Setzen Sie bewusst gemischte Teams auf gemeinsame Ziele an. Und schaffen Sie Räume für Austausch, bei Bedarf mit externer Begleitung. Wie geht Ihr Team mit politischen Themen um, und wissen Ihre Mitarbeitenden, welche Regeln dabei gelten?
